Systemische Aufstellungen
Wie läuft eine Aufstellung ab?
Als erstes formuliert die KlientIn gemeinsam mit der Aufstellungsleiterin das aktuelle Anliegen. Dann wählt die KlientIn Personen aus der Gruppe aus und führt sie an einen Platz im Raum. Diese Personen stehen als RepräsentantInnen für die „Systemelemente“ (bei Familienaufstellungen sind das z.B. die KlientIn selbst, ihre Eltern und Geschwister; bei Organisationsaufstellungen die einzelnen Abteilungen/Gruppen/Teams). Die KlientIn betrachtet dann bis auf weiteres das Geschehen von außen. Vorerst bleiben die RepräsentantInnen an ihrem Platz stehen und lassen das System auf sich wirken, indem sie ihren ganzen Körper als Wahrnehmungsorgan benützen.
Die AufstellungsleiterIn fragt dann der Reihe nach die RepräsentantInnen, was sich nun verändert hat, seit sie auf diesen Platz gebracht wurden. In der Regel nehmen die RepräsentantInnen Dinge wahr, die sie vorher noch nicht wahrgenommen haben. Diese Veränderungen können körperlich sein (z.B. Schmerzen, Kribbeln, Wärme), gefühlsmäßig (z.B. Zu- oder Abneigung, Angst) oder die Sinneswahrnehmung betreffen (z.B. Größen- oder Entfernungswahrnehmung). Die AufstellungsleiterIn stellt die RepräsentantInnen nach systemischen Prinzipien um und bietet Sätze an, die aufgenommen oder abgeändert werden können. Diese Prozesse werden so lange fortgesetzt, bis das gesamte System eine innere Ruhe oder einen anderen ressourcenreicheren Zustand erreicht hat.
Als Abschluss nimmt die KlientIn „ihre“ Position ein und lässt dieses Lösungsbild auf sich wirken. Nach der Aufstellung kehren die RepräsentantInnen wieder in ihr „eigenes Leben“ zurück und die körperlichen Veränderungen, die während der Aufstellung aufgetreten sind, verschwinden nach kurzer Zeit.
Eine Aufstellung dauert in der Regel zwischen einer halben bis drei Stunden (in Ausnahmefällen auch länger).
Warum funktionieren Aufstellungen?
Metaphorisch gesehen wird in einer Aufstellung ein inneres Bild der KlientIn nach außen projeziert, dort verändert und schließlich wieder verinnerlicht. Warum Aufstellungen funktionieren, ist nach wie vor ungewiss. Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand scheint das verblüffende Wissen der RepräsentantInnen eher auf Resonanzphänomene als auf Übertragungsphänomene zurückzuführen zu sein. Im Grunde genommen weiß aber bis heute niemand so genau, warum diese Phänomene auftreten.Wie schnell wirkt eine Aufstellung?
Systemische Strukturaufstellungen sind eine schnelle und lösungsorientierte Methode, die (bei Bedarf) in Vor- und Nachgespräche eingebettet werden kann. Oft genügt eine einzige Aufstellung, um ein Problem dauerhaft zu lösen.Wie vertraulich sind Aufstellungen?
Aufstellungen können vollkommen verdeckt durchgeführt werden. Dabei wird das Anliegen den RepräsentantInnen nicht bekannt gegeben, die RepräsentantInnen und die KlientIn kennen einander nicht und die Systemelemente bekommen Decknamen.Woher kommen Aufstellungen?
Systemische Strukturaufstellungen können auf vier methodische Hauptwurzeln zurückgeführt werden:• Milton Erickson hat die unterschiedliche Wirkung von Sprache auf eine höchst differenzierte Art und Weise betrachtet und nachgewiesen. Er hat unter anderem Freuds Konzept des Unbewussten von einem bedrohlichen Topf von Triebkräften in ein Füllhorn aller denkmöglichen Ressourcen umdefiniert und nutzbar gemacht.
• Virginia Satir hat mit ihrer Rekonstruktions- und Skulpturarbeit die Bedeutung der räumlichen Anordnung von Personen herausgearbeitet und ihre Arbeit in ein breites Feld von Wertschätzung und Selbstwert eingebettet. Sie arbeitete mit Regeltransformationen, die erwünschte Erlebnisweisen hervorbrachten. Die Schule von Milwaukee – begründet von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer – hat das Standbein der strikten Lösungsfokussierung und der Unterschiedbasierung herausgearbeitet und ausgebaut.
• Die Betonung des Unterschiedes geht ihrerseits wieder auf Gregory Bateson und die Schule von Palo Alto zurück. Parallel dazu hat Jacob Moreno das Soziogramm entwickelt, das ebenfalls viele Ähnlichkeiten aufweist.
• Last but not least haben daraus Thea Schönfelder, Les Kadis, Ruth McClandon und Bert Hellinger die Aufstellungsarbeit herausgearbeitet und etabliert. Ihre Verdienste sind eine massive Reduktion der Anordnungen und Veränderungsparameter. Sie haben begonnen, Muster zu betrachten, die in Familien über viele Generationen wirken und Grundideen für systemische Ausgleichsprinzipien auf der Basis der Arbeiten von Ivan Boszormenyi-Nagy entwickelt. Natürlich spielen auch die Systemtheorie (v.a. Niklas Luhman), die Kybernetik (z.B. Heinz von Förster) eine Rolle und haben ihren Einfluss auf all diese Entwicklungen.